12.08.2022, 13:27 Uhr
Klimaschutz aus der Luft: Stadt lässt Erkundungsflieger abheben
Masterplan Stadtgrün: „Thermalbefliegung“ ermittelt Hitzeinseln und Frischluftschneisen
Im Kampf gegen den Klimawandel greift die Stadt Oldenburg zu einer neuen Maßnahme: An diesem Donnerstag kreiste im städtischen Auftrag der Erkundungsflieger einer Spezialfirma über Oldenburg. Das zweimotorige Kleinflugzeug hat bei zwei Flügen – jeweils etwa eineinhalb Stunden lang – zu unterschiedlichen Tageszeiten die Oberflächentemperatur aus der Luft gemessen. Die bei der so genannten „Thermalbefliegung“ gewonnenen Erkenntnisse sollen in eine Analyse des Stadtklimas einfließen. 

Hintergrund sind die Auswirkungen des Klimawandels: Hitze- und Trockenperioden im Sommer werden länger, vor allem in dicht besiedelten Stadtgebieten werden die Temperaturen immer häufiger unerträglicher – das macht vielen Menschen gesundheitlich zu schaffen.

Mit den Ergebnissen der „Thermalbefliegung“ soll aufgezeigt werden, wo sich in Oldenburg das Stadtgebiet an Sommer- und Hitzetagen besonders aufheizt und sich Hitzeinseln bilden. Zudem soll dokumentiert werden, an welchen Stellen in der Stadt es kühler bleibt und wie stark sich die unterschiedlichen Bereiche in der Nacht wieder abkühlen, wo es also Frischluftschneisen in der Stadt gibt.

Die „Thermalbefliegung“ ist dabei ein erster Maßnahmenbaustein des Masterplans Stadtgrün, der in diesem Herbst veröffentlicht werden soll. Mit den Ergebnissen soll dann die Kühlungsleistung von Grünanlagen und Stadtbäumen genauer dargestellt werden. Zudem können die Ergebnisse der Erkundungsflüge auch für viele weitere Fachbereiche und Planungen hilfreich sein: zum Beispiel als Grundlage für einen Hitzeaktionsplan, für Klimaanpassungsstrategien und zur Entwicklung eines Stadtbaumkonzeptes.

Die „Thermalbefliegung“ beinhaltet zwei Flüge: Ein Start erfolgt kurz vor Sonnenaufgang, wenn die größte Abkühlung stattgefunden hat. Ein zweites Mal hebt die Maschine am Nachmittag ab, wenn die höchsten Temperaturen erreicht sind und sich die Stadt maximal aufgeheizt hat. Die Flüge werden mit einem zweimotorigen Kleinflugzeug durchgeführt, das mit Messtechnik und Wärmebildkameras ausgestattet ist. Die Kameras messen die Strahlungstemperatur mit einer Bodenauflösung von 1 x 1 Metern und erstellen circa 890 Einzelbilder, die später zu einer Gesamtübersicht verarbeitet werden.

Das Flugzeug überflog am Donnerstag das Stadtgebiet in 15 Flugstreifen in Nord-Süd-Richtung beziehungsweise Süd-Nord-Richtung. Dafür wurden etwa eineinhalb Stunden Flugzeit benötigt. Aufgenommen wurde das gesamte Stadtgebiet Oldenburgs mit einer Fläche von rund 103 Quadratkilometern.

Die Flüge müssen zwischen dem 1. Juni bis 31. August stattfinden, da nur in diesem Zeitraum die Sonne hoch genug steht und die Einstrahlung besonders stark ist. Zudem ist die „Thermalbefliegung“ an bestimmte Wetterbedingungen gekoppelt: Nötig ist eine wolkenlose, klare Nacht, gefolgt von einem ebenfalls wolkenlosen Sommertag mit Temperaturen von über 25 Grad, noch besser ist es, wenn das Thermometer auf über 30 Grad klettert.

Für Oldenburg wurde nun die aktuelle Hitzewelle genutzt. Ein Meteorologe hatte vorab die aktuellen Wetterdaten ausgewertet und den optimalen Flugzeitpunkt ermittelt.

Den Auftrag hat Firma AVT-ZT GmbH mit Hauptsitz in Imst in Tirol/Österreich erhalten. Die Firma ist spezialisiert auf Datenermittlung aus der Luft. In Deutschland hat die Firma eine Zweigstelle auf dem Flugplatz Münster-Osnabrück. Von dort aus startete die Maschine auch zu ihrem Einsatz über Oldenburg.