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»Wollen wir die Welt verändern?«

10.12.2012, 07:10 Uhr
von Sophie Arenhövel und Carsten Lienemann

Noch ist es nur ein Traum, dass man mit Musik alle Grenzen überwinden könne. Noch gelingt das meist nur für die Dauer eines Konzertes, unter Menschen, die ohnehin offen für andere Kulturen sind und schon von sich aus Grenzen eher einzureißen als aufzubauen geneigt sind. Und doch ist jedes Konzert ein wichtiger Schritt, denn es geht darum zu zeigen, wie gemeinsames kreatives Tun Grenzen überwinden kann: Grenzen zwischen Menschen, zwischen Nationen, zwischen Kunst und Politik - immer wieder.

Eingebunden in die internationale Konferenz NeBoCo (NEW BORDERLANDS OR COSMOPOLITANISM FROM BELOW?), die von der Universität Oldenburg zusammen mit den Universitäten Göttingen und Witwatersrand (Johannesburg, Südafrika) organisiert wurde und bei der die Themen Grenzen, Grenzpoltik und Migration aus interdisziplinären Perspektiven betrachtet wurden, gestaltete der gemeinnützige Verein Global Music Player einen Konzertabend. Es war das zweite große Konzert des noch jungen Vereins nach dem Weltmusikfestival im Kulturzentrum Cadillac im April 2012, anders im Verlauf, aber wieder ein Erfolg.

Unter dem Motto »Music Crossing Borders« - Musik überwindet Grenzen - traten am 7. Dezember Künstlerinnen und Künstler in der Alten Aula der Universität auf, die aus verschiedenen Ländern Ost- und Westeuropas, Afrikas und des Nahen Ostens kommen. Interkulturell war dabei jedoch nicht nur die Zusammenarbeit von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen: auch verschiedene Formen von Kultur - Musik, Bildende Kunst, Tanz und Film - wurden miteinander verbunden. So spannte sich ein musikalischer Bogen von Georgien bis Ghana, von Brasilien bis zum Baskenland, vom Iran bis nach Kurdistan.

Sophie Arenhövel und Alexander Goretzki - zusammen »Sophiando« - eröffneten mit brasilianischen Klängen den Abend. Anschließend zeigte das Duo »HolzPur« (Miriam Konate und Wolfgang Meyberg), welche Klänge und Rhythmen man einfachen Hölzern entlocken kann. Haidar Osman spielte auf der Tandur syrische, arabische und kurdische Musikstücke, »Flower Flow« (Nino Zautashvili und Piet Barkhausen) u. a. georgische, russische Lieder sowie eigene Kompositionen und »Menica« Flamenco aus Oldenburg.

Die folgende längere Umbaupause wurde genutzt, um dem Publikum mit einem kurzen Film das Musikvideoprojekt »RespAct« vorzustellen, in dem es um den Abbau von Vorurteilen und das Betrachten individueller Personen in ihrer ganzen Vielschichtigkeit geht.

Hatten die Künstler bis dahin schon die Zuschauer begeistert und viel verdienten Applaus erhalten, so gab es mit dem anschließenden Auftreten der multinationalen Gruppe »Revolution R« und Special Guests gab es kein Halten mehr. Das Publikum musste nicht lange überredet werden, die Sitzplätze aufzugeben und stattdessen nach vorne zu kommen, um zu Reggae, Ragga und weiteren Rhythmen zu tanzen und zu singen. Bei den eingängigen Melodien soll aber nicht unterschlagen werden, dass die Texte durchaus ernsthaft und politisch sind. Gleiches lässt sich auch über »Special Guest« Makombe sagen.

Der bildende Künstler Rodi Khalil präsentierte aktuelle Werke zu seiner Heimat Syrien, die die Schönheit der Kultur, aber zugleich auch Trauer, Hunger und Unterdrückung zeigen. Darüber hatte er einen Samovar, einen transportablen Backofen und vorbereiteten Hefeteig mitgebracht und versorgte das Publikum den ganzen Abend mit Tee und syrischen Köstlichkeiten.

Vielleicht ist der Traum, mit Musik oder generell mit Kunst Grenzen zu überwinden, doch nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt. Der Moment, als »Revolution R« ihr letztes Lied gespielt hatten, das Licht im Saal anging und alle im Publikum noch weiter sangen, war ein grandioses Finale für einen wunderbaren Abend. Oft sind es Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und eine traumatisierende Flucht hinter sich haben, die uns die Hand reichen. Wir, die wir in Sicherheit und Freiheit leben dürfen, sollten sie ergreifen und ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen, statt ihnen aus aberwitzigen Gründen das Leben weiter zu erschweren.

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