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»Männer brauchen die liebevolle Konfrontation«

26.04.2014, 11:25 Uhr

Beratungsangebot »Männersache« besteht seit einem Jahr

von Carsten Lienemann

»Das zentrale Männlichkeitsproblem ist der verwehrte Zugang zu Gefühlen und Bedürfnissen.« Das ist die zentrale These des Vortrags von Psychotherapeut Björn Süfke anlässlich des ersten Geburtstages der Männerberatung »Männersache« am 25. April 2014.

Bundesweit einmalig unterhält der Verein »Männerwohnhilfe e. V.« in Oldenburg seit 2002 eine Wohnung als Anlaufstelle und kurzfristige Unterkunft für Männer in häuslichen Krisensituationen. Aus der Erkenntnis heraus, das auch ein Beratungsbedarf von Mann zu Mann besteht, wurde vor einem Jahr am Marschweg 66 die Beratungsstelle »Männersache« eingerichtet, die an drei Abenden in der Woche offene Sprechzeiten anbietet. Etwa 20 derartige Einrichtungen sind derzeit in Deutschland zu finden.


Männer müssten sowohl traditionelle wie auch moderne Anforderungen erfüllen, führt Björn Süfke in seinem Vortrag aus. Sie sollen nach wie vor erfolgreich im Beruf sein, gleichzeitig aber mehr für Haushalt und Familie tun. »Frauen kämpfen seit 45 Jahren mit dieser Doppelbelastung, für Männer ist das relativ neu.«

Dass Jungen die männlichen Vorbilder fehlen, weil sie nicht nur im Kindergarten und in der Schule, sondern nach wie vor meist auch zuhause überwiegend mit Frauen zu tun haben, ist keine neue Erkenntnis. Aber Süfke bringt wunderbar anschaulich auf den Punkt, was es für Folgen hat, wenn z .B. ein Vater immer nur für den Freizeitspaß zuständig ist: »Ein Junge, der nie Ärger, Trauer oder Angst bei seinem Vater (oder einer anderen männlichen Bezugsperson) erlebt, zieht daraus die Lehre, dass ein Mann solche Gefühle nicht hat«, so Süfke.

Dazu komme ein Männerbild in den Medien, das überwiegend klischeehaft sei. Auch im realen Leben gebe es zu wenige Vorbilder. Die sich daraus ableitende Erfahrung laute: Mann und Gefühle, das gehört nicht zusammen! Die Hilflosigkeit, die sich dabei ergibt, münde häufig in Krankheit, Sucht und Suizid. Von allen drei Dingen sind Männer weitaus häufiger betroffen als Frauen.

Aber Süfke beschreibt nicht nur das Problem, sondern schlägt auch eine Lösung vor: Die »liebevolle Konfrontation« von Mann zu Mann. Liebevoll, weil der Ratsuchende sonst auf Abwehr schaltet; Konfrontation, weil es sonst nicht zum Ziel führt; von Mann zu Mann, weil beide besser verstehen, wovon der andere redet und weil es in aller Regel für einen Mann leichter ist, mit einem Mann über Männerprobleme zu sprechen. Und weil Männer sich um Männer kümmern sollten.

So sehen das auch die Mitarbeiter des Vereins Männer-Wohn-Hilfe e. V. Diplom-Sozialpädagoge Wolfgang Rosenthal und Diplom-Pädagoge Ansgar Melter stehen für offene Sprechzeiten dienstags, mittwochs und donnerstags von 18:00 bis 20:00 Uhr sowie nach Vereinbarung zur Verfügung. »Die Resonanz ist groß«, sagt Wolfgang Rosenthal, »obwohl wir keine große Werbung machen, waren wir nach wenigen Monaten bereits ausgelastet.«

»Möglich wurde die Einrichtung des Angebotes durch eine Anschubfinanzierung vom Paritätischen Wohlfahrtsverband«, erklärt Walter Dinninghoff, Erster Vorsitzender der Männerwohnhilfe e. V. »Eine weitere wichtige Unterstützung erhalten wir von ›meracon gemeinnützige Gesellschaft für Soziale Arbeit mbH‹, die uns Räume ihrer Kriseninterventionsstelle Oldenburg am Marschweg 66 kostengünstig zur Verfügung stellt.
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