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»Mit Menschen sprechen,
die man sonst nie treffen würde«

15.03.2014, 07:35 Uhr

»Lebendige Bibliothek« am 29. März in der VHS

von Carsten Lienemann

Mit Vorurteilen halten die meisten Menschen es wie mit persönlichen Fehlern: Sie gäben zu, wenn sie welche hätten. Die Vorurteile betreffend gibt es eine gute Gelegenheit, den eigenen Status zu überprüfen. Am Sonnabend, 29. März, bieten die Volkshochschule Oldenburg (VHS), die Akademie der Ev.-Luth. Kirche und der Präventionsrat (PRO) die Möglichkeit zu einer ganzen Reihe besonderer Begegnungen. Unter dem Titel »Lebendige Bibliothek« können Besucherinnen und Besucher zwischen 11 und 17 Uhr mit Menschen ins Gespräch kommen, an denen sie im Alltag bestenfalls vorbeigehen würden.


Anna Drosdowska, Pädagogische Mitarbeiterin der VHS (2. Bildungsweg, Allgemein- und Gesellschaftswissen), ist die Initiatorin des Projektes.

Frau Drosdowska, um was handelt es sich bei der »Lebendigen Bibliothek«?
Die »Bücher« der »Lebendigen Bibliothek« sind Menschen, die in der Gesellschaft eine Sonderrolle eingenommen oder auch zugewiesen bekommen haben und denen meist mit Vorurteilen begegnet wird. Wir haben nach Menschen gesucht, die stellvertretend für eine soziale Gruppe bereit waren, über sich und ihr Leben Auskunft zu geben.

Wie geht die »Ausleihe« vor sich?
Die Besucher können im Laufe des Tages vorbeikommen, sich wie in einer normalen Bibliothek anmelden und über einen Katalog eine Auswahl treffen, nur dass sie sich anstelle eines Buches einen Menschen für 30 Minuten »ausleihen« und mit ihm über die eigenen Vorurteile, aber auch über Gott und die Welt sprechen können.

Welche »Bücher« enthält Ihr Katalog?
Wir haben zum Beispiel eine zum Islam konvertierte Frau, einen Obdachlosen, einen Flüchtling, eine Veganerin, einen Homosexuellen, eine Frau mit Behinderung.

Woher kommt die Idee?
Ich kenne die »Lebendige Bibliothek« von einer Freundin, die in Polen im Bereich bürgerliche Initiativen tätig ist und eine solche Veranstaltung schon zweimal sehr erfolgreich durchgeführt hat. Im Internet habe ich gefunden, dass es auch in anderen europäischen Städten schon so etwas gegeben hat. Warum also nicht in Oldenburg?

Wie kamen die Kooperationspartner Evangelisch-Lutherische Akademie und Präventionsrat hinzu?
Die VHS, die Akademie und der Präventionsrat sind Teile des Netzwerkes »Demokratiezentren Niedersachsen«. Wir wollten in diesem Rahmen gerne etwas größeres zusammen machen, und die Lebendige Bibliothek war eine der ersten Ideen dazu. Die VHS bietet sich als Veranstaltungsort an, weil sie ein Ort der Begegnung ist. Menschen unterschiedlichster Herkunft kommen hierher. Und jeder, der an diesem Tag vorbeikommt, kann teilnehmen.

Wie geschah die Auswahl der Themen, die Sie gerne durch lebendige Bücher repräsentiert sehen wollten?
Melanie Blinzler (PRO), Uwe Fischer (Akademie) und ich haben uns die Frage gestellt, mit wem wir gerne sprechen würden, wen wir interessant finden. Wir haben uns ein bisschen an den genannten Vorbildern orientiert, wobei zur Idee des Projektes gehört, dass die Probleme vorort eine Rolle spielen und die Menschen, die in die Bibliothek kommen, beschäftigen sollen.

Wer hilft Ihnen bei der Durchführung?
Die Kooperationspartner sind an dem Tag natürlich vor Ort, aber wir haben auch Ehrenamtliche, die als Bibliothekarinnen und Bibliothekare arbeiten werden, d. h. sie werden die Besucher begleiten und die lebendigen Bücher schützen. Das ist uns auch sehr wichtig, dass sowohl die Besucher als auch die »Bücher« die Sicherheit haben, dass die Veranstaltung schön verlaufen wird. Das heißt nicht, dass wir nicht diskutieren oder streiten können, aber es muss eine für alle angenehme Atmosphäre sein.

Welche Erwartungen haben Sie an die Veranstaltung?
Das Ziel ist natürlich, sich mit eigenen Ängsten und Vorurteilen auseinanderzusetzen, aber das braucht sicher seine Zeit. Das wichtigste an diesem Tag ist, dass man mit Menschen sprechen kann, die man sonst im Leben nicht so einfach treffen würde. Solche Gespräche bleiben oft sehr lange im Kopf und können Menschen manchmal verändern, etwas initieren, begeistern. So eine kleine Begeisterung, das würde ich den Menschen wünschen. Dass man diesen Tag einfach für sich festhält.

Soll es eine Folgeveranstaltung geben?
Das würde ich mir wünschen, klar.glichkeit zu einer ganzen Reihe besonderer Begegnungen. Unter dem Titel
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