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Kunst hinter Gittern

12.11.2012, 13:23 Uhr
von Carsten Lienemann

Am Sonntag, dem 11. November, wurde in der Oldenburger Justizvollzugsanstalt (JVA) eine Kunstausstellung mit dem vieldeutigen Titel »Einblicke« eröffnet, die gemeinsam von Inhaftierten der JVA und der Kunstgruppe »Farbsinn« von den Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg gestaltet wurde.

Rund 200 Gäste konnten JVA-Leiter Gerd Koop und Projektleiterin Christel Schröder-Tajti zu dieser bereits zehnten Ausstellung hinter Gittern begrüßen. Bisher allerdings hatten immer nur Künstler »von draußen« ihre Werke ausgestellt. »Die Arbeiten, die im Atelier entstehen, sind eigentlich nicht zum Zeigen gedacht. Der Malprozess ist das Entscheidende, nicht das fertige Bild«, erläuterte die künstlerische Leiterin Petra Sommerhäuser. Darum sei ein öffentliches Zeigen der Werke eigentlich gar nicht vorgesehen. Die Künstler selbst hätten es aber gewollt.

Freies Ausdrucksmalen sei eine Form von Biografiearbeit und habe eine therapeutische Wirkung, weil es den inneren Druck nehmen könne. Das pädagogische Konzept begegne dem schöpferischen Potential der Inhaftierten. Die Methode spreche nicht alle an, aber »Kunst hat die Kraft, an die Menschen heranzukommen«, so Sommerhäuser weiter.

Die Künstler »von draußen« kommen diesmal aus der Kunstgruppe »Farbsinn«. Die Gemeinnützigen Werkstätten und die Werkstatt der JVA arbeiten schon länger zusammen an Aufträgen aus der Wirtschaft. So war der Weg zu einer gemeinsamen Kunstausstellung nicht weit.

»Kunst ist eine Brücke in die Gesellschaft«, sagte GWO-Vorstand Gerhard Wessels bei der Eröffnung. »Es ist wichtig, Begegnungen zu organisieren, damit Menschen zusammenkommen.« Menschen, die sich sonst nie über den Weg laufen würden.

Für die Kunstgruppe »Farbsinn« sprach Andreas Michalowski zu den Gästen. Er bedankte sich, »dass wir heute hier sein können und hier ausstellen dürfen«. Die Kunstgruppe trifft sich regelmäßig zum Klönen, Schnacken und Malen, sagte Michalowski. »Die Bilder spiegeln unsere Eindrücke und Stimmungen wider. Für die Kunstgruppe ist es aber auch wichtig, die Bilder anderen Menschen zu zeigen und mit ihnen in die Öffentlichkeit zu gehen. Freuen würden wir uns auch darüber, wenn einige Bilder verkauft werden.«

Im Gegensatz zu den Gefangenen aus der Malgruppe der JVA sind die »Farbsinn«-Künstler schon erfahrene Aussteller. Ihre Bilder waren zum Beispiel schon im Sozialministerium in Hannover und in der LzO am Schloss zu sehen.

Einen ebenfalls nicht alltäglichen musikalischen Rahmen des Eröffnungsprogramms steuerten Marco Neumann und seine Tochter bei, mit Didgeridoo und Cajon bei.

Ein Jahr lang werden die Bilder jetzt in der Justizvollzugsanstalt hängen und hoffentlich von vielen Besuchern gesehen werden. Die »Farbsinn«-Werke hängen auf den Fluren der Verwaltung, wo leider fast nur Mitarbeiter oder Teilnehmer einer Führung durch die Gebäude hinkommen. Andererseits sehen sicher manche Menschen die Bilder, die sonst keine Kunstausstellungen besuchen.

Im kommenden Jahr sollen die beiden Kunstgruppen der Gemeinnützigen Werkstätten und der JVA auch gemeinsame Kunstwerke schaffen, berichtet Simone Denner, die gemeinsam mit Thea Wilczura die »Farbsinn«-Gruppe leitet. Das genaue Verfahren steht aber noch nicht fest.

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