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»Man kann darüber reden und trotzdem cool sein«

28.06.2015, 11:00 Uhr

Kinderschutz-Zentrum Oldenburg gibt CD zu Anti-Gewalt-Projekt heraus

von Carsten Lienemann

Auch Jungen sind oft Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen. Aber es ist gilt als unmännlich, darüber zu reden. Das Projekt »AUS!-geredet« soll männliche Jugendliche dazu anregen, die Scham zu überwinden und das Schweigen zu brechen.

Wie es sich für eine CD-Release-Veranstaltung gehört, gibt es erst einmal Musik. Metehan Acer und Boran Wehlau rappen »Ein Mensch wie jeder andere«, die Geschichte eines Jungen, der »es geschafft« hat, weil er seinen Verstand gebraucht und nie aufgegeben hat, eines von 16 Stücken auf der CD »AUS!-geredet«.

Michael Herschelmann, der ehemalige Leiter des Kinderschutz-Zentrums, hat ein besonderes Interesse an Rap, und so lag die Idee nahe, männliche Jugendliche auf diese Weise zu animieren, über ihre Gefühle und Probleme zu reden. »2013 sind Michael Herschelmann, Boran Wehlau und ich in Freizeitstätten und Schulen der Region gegangen und konnten schließlich über das Jugendhaus in Nordenham, das ›Point‹ in Wilhelmshaven und die Comeniusschule in Cloppenburg insgesamt 30 Jungen zwischen 12 und 17 Jahren für das Projekt gewinnen«, berichtet Pädagoge Benjamin Haller.

»Rap ist eine der Säulen des HipHop, in der die Gemeinschaft - der ›Community‹-Gedanke – sehr wichtig ist. Er wird von diesen Jugendlichen als Ausdrucksform und Lebensgefühl wahrgenommen und eignet sich daher sehr gut als pädagogisches Instrument«, erläutert Boran Wehlau, ebenfalls Pädagoge und seit 18 Jahren Rapper.

»Damit konnten wir die Jugendlichen bewegen, über Gewalt erfahrene zu reden, über eigene Erfahrungen oder aus ihrem Umfeld, auch über Vernachlässigung und Mobbing, und aus dieser fatalen Haltung ›Ein Indianer kennt keinen Schmerz‹ auszubrechen«, ergänzt Ben Haller. Mit der nun erschienenen CD sollen noch mehr Jugendliche erreicht werden.

Als ein besonderer Glücksfall hat sich dabei die Begegnung mit Metehan Acer ergeben, der als Teilnehmer begonnen, sich aber schnell zu einer der Stützen des Projektes entwickelt hat. »Metehan ist ein Riesentalent, er hat unter anderem fünf Titel zur CD beigesteuert«, lobt Boran Wehlau.

»Jungen sind nicht immer nur Täter, sondern oft auch Opfer von Gewalt, auch von sexualisierter Gewalt. Wir wissen das aus unseren Beratungen, aber in der Öffentlichkeit war das lange Zeit nicht so bekannt«, sagt Mareike van't Zet, Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Oldenburg, als Begründung zur Durchführung dieses Projektes. »Jungen reden aus Angst, sie könnten für schwach oder unmännlich gehalten werden, noch viel weniger darüber als Mädchen. Aber wer schweigt, kann keine Hilfe bekommen. Mit der CD wollen wir den Betroffenen zeigen, dass sie nicht allein sind. Man kann darüber reden und trotzdem cool sein.«

Finanziert wurde das Projekt aus einem Spendenkonzert der Bundeswehr-Bigband und aus Beiträgen der Horst-Heißenbüttel-Stiftung und der Diakonie-Stiftung Oldenburger Land.

Alle Titel der CD sind als mp3-Dateien hinterlegt und können auf der Website des Kinderschutz-Zentrums unter »Projekte« kostenlos heruntergeladen werden. Auch das Booklet ist in Kürze an dieser Stelle als pdf-Datei zu haben. »Künstler aus der Region haben ohne Honorar dafür gemalt und gezeichnet, es sind Kontaktadressen inkl. QR-Codes darin«, sagt Ben Haller.

Wer es lieber herkömmlich mag, kann die CD auch beim Kinderschutz-Zentrum bekommen, das sich über eine kleine Spende als Gegenleistung freut.

Kinderschutz-Zentrum Oldenburg
Friederikenstr. 3
26135 Oldenburg
Tel. 0441-1 77 88
info@kinderschutz-ol.de
www.kinderschutz-ol.de
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