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Geschichte

Beat oder Bieder – Oldenburg und das Jahr 1967

30.07.2017 19:46 Uhr

Ausstellung im Stadtmuseum Oldenburg vom 30. Juli bis 1. Oktober

Vor 50 Jahren, am 1. August 1967, wurden in Oldenburg die wichtigsten Straßen des historischen Stadtkerns für den Autoverkehr gesperrt: Die Fußgängerzone entstand. Das Stadtmuseum Oldenburg feiert dieses Jubiläum mit einer besonderen Ausstellung. Unter dem Titel „Beat oder Bieder – Oldenburg und das Jahr 1967“ können sich die Besucher auf eine gleichermaßen unterhaltsame wie informative Zeitreise in das Jahr der Entstehung der Fußgängerzone begeben. Die Ausstellungseröffnung findet am Sonntag, 30. Juli, um 11 Uhr statt. Für musikalische Unterhaltung sorgt die Band „Heart of Gold“ mit Songs aus den 1960er-Jahren und vor dem Museum zeigt der Motor-Sport-Club Oldenburg von 10 bis 14 Uhr Oldtimer aus dieser Zeit.

„Die Oldenburger Fußgängerzone war zwar nicht die erste ihrer Art, aber erstmals in Deutschland wurde eine solche Maßnahme in einem weitgehend geschlossenen Stadtkern durchgeführt“, weiß Dr. Andreas von Seggern, Leiter des Stadtmuseums. Nach anfänglicher Skepsis insbesondere bei vielen Geschäftsinhabern der Innenstadt, hat sich die Oldenburger Fußgängerzone in den folgenden Jahrzehnten zu einem Erfolgsmodell entwickelt und prägt bis heute das Stadtbild.

Doch das Jahr 1967 hielt noch viele andere Ereignisse bereit: Weltweite Krisenherde, innenpolitische Konflikte, aber auch ein bis heute faszinierender Aufbruchsgeist in Politik, Gesellschaft und Kultur gehören zu den Facetten dieses spannungsreichen Jahres. Ob eine Jacke von Mitch Mitchell, dem Schlagzeuger der Jimi Hendrix Experience, der Schreibtischstuhl des damaligen Bundeskanzlers Kiesinger aus dem Kanzleramt oder auch prägende Bildikonen der Zeit – viele ausgewählte Objekte, Bilder und Dokumente lokaler und nationaler Leihgeber bieten einen Einblick in jene zwölf Monate, in denen sich viel von dem andeutete, was heute mit den ‚68ern‘ verbunden wird.

Und natürlich schaut die Ausstellung insbesondere auf Oldenburg: Hatten internationale Entwicklungen und nationale Ereignisse einen Einfluss auf den Alltag der Menschen vor Ort? Was bewegte die Oldenburger, in welchem Rhythmus schlug der Puls der Stadt, eben: BEAT oder BIEDER? „Wir gehen diesen Fragen in ausgewählten Schlaglichtern nach“, berichtet Franziska Boegehold, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum. „Die Besucher dürfen gespannt sein auf zahlreiche, zum Teil erstmals gezeigte Fotografien, vor allem des Oldenburger Bildreporters Günter Nordhausen, und auf einen Zusammenschnitt zeitgenössischer Filmaufnahmen aus der Stadt.“ Zudem gibt es eine Hörstation mit den 20 beliebtesten Hits aus dem Jahr 1967, ausgewählt in einer Zufallsumfrage unter 200 Oldenburgerinnen und Oldenburgern.

Die Ausstellung gleicht einer Entdeckungsreise, erstreckt sie sich doch über 18 Räume: „Für ‚Beat oder Bieder‘ öffnen wir erstmals – als zeitlich begrenzte ‚Intervention‘ – die historischen Francksen-Villen für ein neues Publikum“, sagt Andreas von Seggern. Dafür wurden besondere, flexibel nutzbare Stellwände angefertigt, die sich in die historischen Räumlichkeiten integrieren lassen. „Ihren überlieferten Grundcharakter werden die Räume natürlich auch während dieser Zeit behalten. Sie bleiben weiterhin geöffnet für all jene Besucher, die sich vom einzigartigen Charme der gründerzeitlichen Schausammlung einfangen lassen möchten“, schließt Museumsleiter von Seggern.

Zur Ausstellung erscheint eine 60-seitige Begleitbroschüre, die zum Preis von 9,90 Euro an der Museumskasse erhältlich ist.

Kuratoren der Ausstellung: Dr. Andreas von Seggern und Franziska Boegehold
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Ein Stolperstein für Johann Gerdes

22.02.2017 21:49 Uhr
Am Mittwoch, 22. Februar 2017, verlegte der Künstler Gunter Demnig am Neusüdender Weg 50, dem ehemaligen Haus des KPD-Mitglieds und Oldenburger Landtagsabgeordneten Johann Gerdes, einen Stolperstein. Initiatoren und Kooperationspartner der Aktion sind der Förderverein internationales Fluchtmuseum e.V., die CVJM/Gruppe junger Erwachsener/Thomaskirche Ofenerdiek und die DKP Oldenburg.

Johann Gerdes, geboren am 16. April 1896 in Groß Bornhorst, war ein deutscher Politiker (KPD), Abgeordneter im Oldenburgischen Landtag und das erste NS-Opfer in Oldenburg i. O.

Als Abgeordneter kümmerte er sich vorrangig um die Landwirtschaftspolitik und um die Auseinandersetzung mit der regierenden NSDAP. Anfang März 1933 wurde er nachts von einem SA-Trupp aus seinem Haus gelockt und zusammengeschlagen. Anschließend schoss der SA-Führer Ludwig Thielebeule auf Gerdes. Drei Tage später starb Gerdes im Krankenhaus.
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Broschüre zum Aufstieg des Nationalsozialismus neu aufgelegt

27.05.2015 22:14 Uhr

Fluchtmuseum e. V. und Stadtmuseum stellen zweite Auflage vor

von Carsten Lienemann

2012, achtzig Jahre nachdem die NSDAP im Land Oldenburg an die Regierung gewählt wurde, hielt Dr. Klaus Thörner einen Vortrag zum »frühen Aufstieg des Nationalsozialismus in Oldenburg«. Damit der Text nicht gleich wieder in Vergessenheit gerät, sorgte Ulrich Hartig vom Internationalen Fluchtmuseum für eine Veröffentlichung in einer Broschüre. »Die 1500 Exemplare der ersten Auflage sind jetzt vergriffen«, sagt Hartig, »sie gingen zum Großen Teil an Schulen in Oldenburg und Umgebung«, oft zusammen einer Ausstellung über alte und neue Nazis.

Das Fluchtmuseum hat jetzt die zweite Auflage gemeinsam mit dem Stadtmuseum veröffentlicht. »Die Zeit des Nationalsozialismus in Oldenburg ist uns ein besonderes Anliegen, gerade weil unsere Dauerausstellung das Thema nicht einmal streift«, so Stadtmuseum-Leiter Dr. Andreas von Seggern. Das aber habe allein räumliche Gründe, das Stadtmuseum solle ein Forum auch für die sensiblen Themen der Stadtgeschichte sein.

Als Ursache für den frühen Aufstieg der NSDAP in Oldenburg gibt Autor Dr. Klaus Thörner in erster Linie den Zulauf aus der landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung an. »Es gab im Vorfeld des Dritten Reiches viele jüdische Viehhändler, die nach Ansicht der Oldenburger Bauern schlechte Preise zahlten«. Außerdem sei das Militär in der Stadt sehr stark vertreten gewesen. Auch an Oldenburger Schulen hätten Juden bereits in den 1920er Jahren einen schweren Stand gehabt. Diesen Ursachen, so Thörner, seien der Neuauflage ergänzende Abschnitte gewidmet.

Thörner sprach sich dafür aus, den Antisemitismus der 1920er Jahre insbesondere unter der ländlichen Bevölkerung noch intensiver zu untersuchen. Auch über die von Leo Trepp, dem letzten Oldenburger Rabbiner vor der Nazizeit, eingerichtete jüdische Schule sei noch zu wenig bekannt. Lobend äußerten sich neben Thörner auch Hartig und von Seggern über Aktionen gegen das Vergessen, wie den Erinnerungsgang, der jedes Jahr von einer Oldenburger Schule organisiert wird, oder auch die Gedenktafel an der Peterstraße, die aber noch zu erweitern sei.

Dank der Finanzierung durch den AstA, die Stadt Oldenburg, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und die Landessparkasse zu Oldenburg ist die Broschüre kostenlos zu bekommen. Interessenten wenden sich bitte an Ulrich Hartig (info@fluchtmuseum.de, Tel. 0157 74 50 33 27).
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Zeitzeuge zu Besuch in Oldenburg

06.11.2014 08:29 Uhr

Felix Lipski, der als Kind das Minsker Ghetto überlebte

Felix Lipski wurde in Minsk geboren. In Minsk begann die Ermordung der europäischen Juden. Gleich nach dem nach Überfall auf die Sowjetunion wurden dort über 20 000 Juden ermordet und einen Monat später ein Ghetto errichtet. Zu den in Minsk bereits eingepferchten 50 000 Menschen wurden ab dem Herbst 1941 weitere 50 000 Juden aus dem Deutschen Reich deportiert. Darunter waren auch 33 Oldenburger Juden. Alle kamen nicht mehr zurück.

An ein viertägiges Pogrom, bei dem durch ein SS-Sonderkommando 14 Oldenburger erschossen oder in Gaswagen erstickt wurden, kann sich Felix Lipski genau erinnern. Die Flucht zu den Partisanen gelang Mutter und Sohn im Sommer 1943 – nur so überlebten sie die Shoah. Nach dem Krieg wurde Lipski in der Sowjetunion Arzt und immigrierte 1968 nach Deutschland. Er kommt heute aus Bochum nach Oldenburg, um seine bewegenden Erinnerungen zu erzählen.

Die Veranstaltung findet im Anschluss an den „Erinnerungsgang“ statt, mit dem in Oldenburg jedes Jahr der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird.

Montag, 10.November 2014 ab 19.30Uhr im Café IBIS, Klävemannstr. 16 Der Eintritt ist frei; Spenden sind willkommen.

Durch den Einsatz eines Ringschleifenverstärkers ist diese Veranstaltung barrierefrei für Hörgeschädigte.
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Aus unserer Mitte

04.11.2014 15:37 Uhr

Ausstellung von Schülern des Neuen Gymnasiums Oldenburg zur Reichspogromnacht 1938

Vom 10. bis 22. November 2014 präsentieren Schülerinnen und Schüler des Neuen Gymnasiums Oldenburg (NGO) ihre Ausstellung »Aus unserer Mitte« in der Landes­bibliothek Oldenburg. Die Ausstellung soll zusammen mit dem Erinnerungsgang an die verhafteten jüdischen Bürger Oldenburgs erinnern, die am 10. November 1938 von der Polizeikaserne am Pferdemarkt durch die Innenstadt zum Gefängnis in der Gerichtstraße geführt wurden.

Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftswerk der ganzen Schule, an dem viele Klassen und Kurse während des regulären Unterrichts breit gefächert gearbeitet haben. Zu sehen sind:

  • empathische bzw. ausdrucksbetonte Tonplastiken und abstrahierende Holzskulpturen als Denkmalentwurf für Janusz Korczak (1878–1942). Der jüdische Arzt und Pädagoge begleitete 200 jüdische Waisenkinder in das Warschauer Ghetto und ging mit ihnen im Vernichtungslager Treblinka in den Tod, obwohl ihm das Ausland die Ausreise ermöglicht hatte
  • Plakatentwürfe zu dieser Ausstellung
  • Kunst-Facharbeiten zu Denkmälern in Oldenburg
  • ein Klangbild zu Rose Ausländers Gedicht »Schallendes Schweigen«, das die Situation der Überlebenden klanglich umzusetzen sucht
  • Zeichnungen und Collagen zum Thema »Erinnerungsbogen«, die eine Brücke aus der Gegenwart der Schülerinnen und Schüler zurück zur Ge­schichte des Nationalsozialismus schlagen
  • Opferbiographien, die aus fiktiven Interviews und Tagebucheinträgen entstanden
  • Zeichnungen, Collagen und Modellen zum Thema »Erinnerungen an Anne Frank«
  • »Bildergeschichten«, die die frei gestaltete Annäherung der Kinder heute an die von Schreck und Angst begleitete Flucht der Geschwister Hans und Ursula Landsberg zeigen
Neben der künstlerischen und kreativen Auseinandersetzung mit dem Thema haben sich die Schülerinnen und Schüler der historischen Erarbeitung gewidmet. Der Auf­stieg der NSDAP in Oldenburg wird ebenso in den Blick genommen wie das Leben der jüdischen Bevölkerung Oldenburgs zwischen 1933 und 1938. Bei der Betrach­tung der Geschehnisse um die Pogromnacht vom 9./10. November 1938 nehmen die Schülerinnen und Schüler schwerpunktmäßig auch die Ereignisse danach in den Blick: Die Deportation der jüdischen Männer in das Konzentrationslager Sachsen­hausen, den Aufenthalt vor Ort und die Entlassung aus der Lagerhaft werden ebenso dargestellt, wie das Lager Sachsenhausen selbst. Dabei lassen die Schülerinnen und Schüler v.a. zwei Zeitzeugen – die Oldenburger Leo Trepp und Heinrich Hirschberg – immer wieder zu Wort kommen.

All diese Arbeiten machen die Suche der Schülerinnen und Schüler nach der Lücke deutlich, die die nationalsozialistische Vernichtungspolitik in unserer Mitte hinter­lassen hat und öffnen Raum für die Fragen nach den Voraussetzungen für eine gemeinsame Zukunft.


Aus unserer Mitte

Ausstellung von Schülern des Neuen Gymnasiums zum Erinnerungsgang
Ausstellungsdauer: 10.–22.11.2014
Der Eintritt ist frei.

Eröffnung: Montag, 10.11.2014, 11.00 Uhr im Foyer der Landesbibliothek
Veranstalter: Neues Gymnasium Oldenburg, Arbeitskreis Erinnerungsgang, Lan­desbibliothek Oldenburg

Öffnungszeiten Landesbibliothek:
Mo–Fr 10–19 Uhr, Sa 9–12 Uhr

Erinnerungsgang 2014 am 10.11., 15.00 Uhr:
Beginn im Innenhof der Landes­bibliothek Oldenburg
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