Es war nicht die erste Oldenburger Oscar-Verleihung, die am Dienstag, 22. Dezember, im Internationalen Jugendprojektehaus über die Bühne ging, aber es war die bisher größte. Deshalb musste das Programm auch mächtig gestrafft werden.
Neun Jugendtheatergruppen, bestehend aus insgesamt rund 150 Mitgliedern, stellten sich und z. T. ihr Programm vor: das
Kurland-Theater, die Theatergruppen
»PAEPP« und
»Rollentausch« der
Freizeitstätte Kreyenbrück, die
Theater- und die Bläsergruppe der IGS Flötenteich, das
Junge Theater Bloherfelde, der
Jugendclub des Oldenburger Staatstheaters und die
Jugendgruppe der August-Hinrichs-Bühne, das
Jugendensemble der Landesbühne Nord in Wilhelmshaven und der
Jugendclub der Kuturetage. Dazu kamen zwei Rapper von
»My Story« und die »Jugendtanzkompanie Roses & Co.« sowie
Karl Kelschebach, der neben seiner Mitwirkung in zwei Theatergruppen auch noch Zeit fand, zwei Texte zu verfassen und selbst vorzutragen, als Show-Acts.
Im Gegensatz zum großen Vorbild gab es keinen roten Teppich, aber ein »großer Bahnhof« und ein volles Haus war es schon; und während es in Los Angeles meist mehr Schein als Sein zu sehen gibt, war das in der ehemaligen Donnerschwee-Kaserne eher umgekehrt. Es gab auch nicht nur einen Conférencier, sondern deren zwei, Maike Strach und Lukas Bartsch, die selbstredend auch dem einen oder anderen Ensemble angehören.
Die spannende Frage war nicht, wer einen Oscar erhalten würde. Dass niemand leer ausgehen sollte, war von vornherein klar. Jedes Mitglied einer Gruppe zeichnete ein anderes derselben Gruppe mit einem eigenhändig gefertigten, phantasievollen und mit offensichtlich hoher Wertschätzung verbundenen Preis aus. Und somit bestand die eigentliche Überraschung in der Gestaltung der einzelnen Oscars.
Weil die komplette Verleihung mit der zugehörigen Erklärung den Zeitrahmen gesprengt hätte, wurden pro Gruppe nur zwei Oscars vor Publikum vergeben, der Rest fand im privaten Rahmen statt. Außerdem verlieh der Leiter des Jugendprojektehauses, Dettmar Koch, drei »(noch) hölzerne, aber seltene und daher sehr wertvolle« Jugendkulturarbeits-Oscars an die Jugendgruppe der August-Hinrichs-Bühne, den Jugendclub des Staatstheaters und die Landesbühne Nord in Wilhelmshaven.
Oscarreif war im übrigen auch das Buffet sowie die Mitarbeiter und Helfer, die es errichtet haben und die Brot, Salate und Sahnetorten elegant von der Küche durch die Eingangshalle voller Menschen in das Kaminzimmer auf die Tafel jonglierten, unfallfrei.
Schade, dass so wenige Unbeteiligte da waren, sie hätten wohl auch kaum Platz gefunden. Andererseits hätten sie hier ein Kontrastprogramm zur augenblicklichen Diskussion um Bildung und Leistung erleben können.
Die Jugendlichen, die hier ihren Auftritt hatten, widmen einen Großteil ihrer Freizeit scheinbar nutzlosen Beschäftigungen wie Theater, Tanz und Musik, statt sich um Schule und bessere Abschlüsse zu kümmern. Die wenigsten von ihnen werden eine professionelle Bühnenkarriere machen. Aber alle werden von ihren Bühnenerfahrungen profitieren, und von der Anerkennung, die jede und jeder Einzelne von ihnen verdientermaßen nicht nur an Abenden wie diesen erhalten. Ob groß oder klein, männlich oder weiblich, mit oder ohne Migrationshintergrund und was immer noch an Wertepaaren zu finden wäre, schon jetzt zeigen viele von ihnen ein sicheres, selbstbewusstes Auftreten (nicht zu Verwechseln mit Überheblichkeit), das ihnen, egal auf welchem Gebiet, nur von Vorteil sein kann. Und das, weil ihre Leistungen gewürdigt, aber eben nicht bewertet werden.
Carsten Lienemann
Fotos © ganz-Oldenburg.de 2009.
Alle Bilder frei zur nicht-kommerziellen Verwendung.
Einen der Texte von Karl Kelschebach
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